Der Kupferanschluss läuft aus: Was der Glasfaser-Fahrplan für Sie bedeutet
Die Bundesnetzagentur hat Fristen für die Abschaltung der alten Kupferleitungen gesetzt – und ihr Jahresbericht zeigt, wie viele Haushalte Glasfaser vor der Tür haben, ohne sie zu nutzen.
Meridians Technik-Redaktion
Published 21. August 2026 · Updated 21. August 2026 · 4 min read
TechThe short answer
- Ende 2025 waren in Deutschland 6,4 Millionen Glasfaseranschlüsse aktiv, ein Anteil von 16,5 Prozent an allen Breitbandanschlüssen.
- Angeschlossen sind deutlich mehr Gebäude als tatsächlich genutzt werden – zwischen Anschluss und Buchung klafft eine Lücke.
- Für die Abschaltung des Kupfernetzes gilt nach dem Konzept der Bundesnetzagentur eine Vorlaufzeit von mindestens 36 Monaten.
- Abgeschaltet werden darf erst, wenn mindestens 80 Prozent der Haushalte und Unternehmen im Gebiet mit Glasfaser bis in die Wohnung versorgt sind.
Irgendwann liegt ein Brief im Kasten: Ihr Kupferanschluss wird abgeschaltet. Wann das passiert und was Sie dann noch entscheiden können, hat die Bundesnetzagentur am 19. Januar 2026 in einem Regulierungskonzept zur Kupfer-Glas-Migration festgelegt. Am 5. Juni 2026 legte die Behörde außerdem den Jahresbericht Telekommunikation 2025 vor. Beides zusammen ergibt ein ziemlich klares Bild.
Wie weit der Ausbau ist
- 6,4 Millionen aktive Glasfaseranschlüsse Ende 2025, gut eine Million mehr als ein Jahr zuvor
- Davon 5,2 Millionen mit Glasfaser bis in die Wohnung (FttH) und 1,2 Millionen bis ins Gebäude (FttB)
- Anteil an allen aktiven Breitbandanschlüssen: 16,5 Prozent nach 13,7 Prozent im Jahr 2024
- 23,6 Millionen Anschlüsse liefern inzwischen 100 Mbit/s oder mehr, drei Millionen davon mindestens 1.000 Mbit/s
- 15,2 Millionen Anschlüsse liegen weiter unter 100 Mbit/s, nach 17,1 Millionen im Vorjahr
- Sachinvestitionen der Branche 2025: 15,3 Milliarden Euro
Angeschlossen heißt nicht gebucht
Die interessanteste Zahl steht etwas versteckt im Bericht. Mit FttH angeschlossen sind 7,1 Millionen Wohnungen und Gebäude, mit FttB weitere 3,3 Millionen. Aktiv genutzt werden aber nur 5,2 beziehungsweise 1,2 Millionen Anschlüsse. Ein erheblicher Teil der Haushalte hat die Glasfaser also bereits im Haus und surft trotzdem weiter über Kupfer. Wer dazugehört, zahlt in vielen Fällen denselben Preis für spürbar weniger Leistung.
Der Fahrplan für die Abschaltung
Das Kupfernetz verschwindet nicht über Nacht. Die Bundesnetzagentur schreibt eine gestufte Vorlaufzeit vor:
- Mindestens zwölf Monate vor dem Vermarktungsstopp muss die geplante Abschaltung angezeigt werden.
- Der Vermarktungsstopp muss mindestens 24 Monate vor der tatsächlichen Abschaltung liegen.
- In Summe ergibt das eine Ankündigungsfrist von mindestens 36 Monaten.
Zwei Bedingungen müssen zusätzlich erfüllt sein. Zum Migrationsbeginn müssen mindestens 80 Prozent der Haushalte und Unternehmen im betroffenen Gebiet mit FttH versorgt sein; bei der tatsächlichen Abschaltung soll die Versorgung grundsätzlich flächendeckend sein. Und es muss ein funktionierendes Open-Access-Angebot geben – technisch, prozessual und preislich –, damit Sie nicht automatisch beim Netzbetreiber landen, sondern weiter zwischen Anbietern wählen können.
Was Sie jetzt prüfen können
- Fragen Sie beim Netzbetreiber oder über die Verfügbarkeitsabfrage Ihres Anbieters, ob an Ihrer Adresse bereits FttH anliegt. Liegt die Faser im Haus, ist der Wechsel meist nur ein Tarifwechsel.
- Achten Sie in Anbieterschreiben auf die Begriffe Vermarktungsstopp und Abschaltung – ab dem Vermarktungsstopp gibt es für den alten Anschluss keine neuen Verträge mehr.
- Lassen Sie sich von einer Ankündigung nicht in einen langen Vertrag drängen. Sie haben nach dem Konzept der Bundesnetzagentur mindestens drei Jahre Zeit und freie Anbieterwahl.
- Wenn Ihr Anschluss unter 100 Mbit/s liegt und Glasfaser verfügbar ist, lohnt der Preisvergleich: Die Aufpreise für deutlich höhere Bandbreiten sind vielerorts gering.
Sources
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