Ab 1. September dürfen Lohnsteuerhilfevereine auch bei Mieteinnahmen beraten
Die Betragsgrenzen für zusätzliche Einkünfte fallen weg — damit steht vielen Haushalten die günstige Alternative zum Steuerberater wieder offen.
Meridians Wirtschafts-Redaktion
Published 28. August 2026 · Updated 28. August 2026 · 4 min read
FinanceThe short answer
- Am 1. September 2026 tritt das Neunte Gesetz zur Änderung des Steuerberatungsgesetzes in Kraft.
- Die Betragsgrenzen für Nebeneinkünfte, die bisher die Beratung durch einen Lohnsteuerhilfeverein ausschlossen, entfallen.
- Das Bundesfinanzministerium rechnet mit rund 35.500 zusätzlichen Steuerpflichtigen, die den Weg zum Verein nutzen können.
- Wer eine Wohnung vermietet, muss dafür künftig nicht mehr zwingend zum Steuerberater.
Wer eine Eigentumswohnung vermietet und daneben ein normales Gehalt bezieht, stand bisher vor einer unangenehmen Rechnung: Der Lohnsteuerhilfeverein durfte den Fall ab einer bestimmten Höhe der Nebeneinkünfte nicht mehr bearbeiten. Übrig blieb der Steuerberater — oder die Steuererklärung in Eigenregie. Am 1. September 2026 ändert sich das.
Was das Gesetz ändert
Das Neunte Gesetz zur Änderung des Steuerberatungsgesetzes und zur Änderung weiterer steuerrechtlicher Vorschriften hat das Bundeskabinett am 14. Januar 2026 beschlossen. Der Kern für Verbraucher steht in § 4 Nummer 11 des Steuerberatungsgesetzes, der die Befugnisse der Lohnsteuerhilfevereine regelt. Bisher durfte ein Verein neben Lohn und Rente nur begrenzte weitere Einkünfte mitbearbeiten — etwa aus Vermietung und Verpachtung, Kapitalvermögen oder sonstigen Einkünften. Wer darüber lag, war raus. Diese Betragsgrenzen entfallen.
- Die Betragsgrenzen für die mit der Beratung vereinbaren Tätigkeiten fallen weg. Die Bundesrats-Drucksache 40/26 nennt als bisherige Werte 18.000 Euro für Alleinstehende und 36.000 Euro für zusammen veranlagte Paare.
- Eine Person darf künftig drei statt bisher zwei Beratungsstellen leiten.
- Für weitere Beratungsstellen entfällt das gesonderte Leitungserfordernis.
- Angehörige Berufsgruppen — genannt werden etwa Energieberater — dürfen steuerliche Fragen behandeln, die mit ihrer eigentlichen Beratung zusammenhängen.
- Unentgeltliche Hilfe in Steuersachen dürfen künftig nicht nur Angehörige leisten, sondern auch andere nahestehende Personen. An Hochschulen werden betreute Lehrberatungsstellen möglich.
Für wen sich das rechnet
Das Bundesfinanzministerium beziffert den Kreis der zusätzlich Berechtigten auf rund 35.500 Steuerpflichtige und die jährliche Entlastung der Bürgerinnen und Bürger auf etwa zehn Millionen Euro. Die Bundesrats-Drucksache weist rund 10,7 Millionen Euro jährlich weniger Erfüllungsaufwand aus. Der Unterschied zum Steuerberater liegt vor allem im Preismodell: Lohnsteuerhilfevereine erheben einen einkommensabhängigen Jahresbeitrag, Steuerberater rechnen nach der Steuerberatervergütungsverordnung ab. Was für Sie günstiger ist, hängt vom Einzelfall ab — die Reform verschafft Ihnen aber überhaupt erst die Wahl.
Wichtig bleibt die Grenze, die nicht gefallen ist: Lohnsteuerhilfevereine dürfen weiterhin keine Gewinneinkünfte betreuen. Wer selbstständig ist, ein Gewerbe betreibt oder Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft hat, bleibt außen vor.
Praktisch heißt das: Wenn Sie für 2026 eine Steuererklärung mit Mieteinnahmen erwarten, lohnt ab September der Anruf bei einem Verein in Ihrer Nähe. Ein Beitritt ist keine Einbahnstraße — die Satzungen sehen Kündigungsfristen vor, die Sie sich vorher zeigen lassen sollten.
Sources
Every factual claim above is traceable to these documents. Check them — that is why they are here.
- Moderneres Steuerberatungsrecht kommt (30. Mai 2026)Bundesregierung
- Breites Angebot, weniger Bürokratie: Bundeskabinett modernisiert das Steuerberatungsrecht (14. Januar 2026)Bundesministerium der Finanzen
- Bundesrats-Drucksache 40/26 vom 23. Januar 2026: Entwurf eines Neunten Gesetzes zur Änderung des SteuerberatungsgesetzesBundesrat
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