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Batteriegarantie: Alle sagen 70 Prozent — und meinen zwischen 160.000 und 250.000 Kilometer

Acht Jahre und 70 Prozent Restkapazität sind Branchenstandard. Tesla staffelt die Kilometergrenze nach Modellvariante bis 240.000, Toyota verlängert die Kapazitätsgarantie bei jährlichem Batterietest bis 250.000 — und Mercedes nennt auf den abgerufenen Seiten überhaupt keine Zahl.

Meridians Technik-Redaktion

Published 28. August 2026 · Updated 28. August 2026 · 8 min read

Batteriegarantie: Alle sagen 70 Prozent — und meinen zwischen 160.000 und 250.000 KilometerAutomotive
Photo: Foto von Kindel Media / Pexels (Pexels-Lizenz — kostenlos nutzbar, Nennung rechtlich nicht erforderlich (oben dennoch angegeben).)

The short answer

  • Wir haben am 28. August 2026 die veröffentlichten Garantiebedingungen für Hochvoltbatterien bei sieben Herstellern abgerufen und nur das notiert, was dort tatsächlich steht.
  • Der Standard ist bemerkenswert einheitlich: acht Jahre oder 160.000 Kilometer, garantiert werden mindestens 70 Prozent der ursprünglichen Kapazität — so bei Volkswagen, BMW, Kia und Renault.
  • Die Ausreißer liegen in beide Richtungen: Tesla staffelt die Kilometergrenze nach Modellvariante bis 240.000, Toyota trennt Kapazitäts- und Funktionsgarantie und verlängert die Funktionsgarantie bei jährlich bestandenem Batterietest bis 10 Jahre und 1.000.000 Kilometer.
  • Was die 70-Prozent-Grenze praktisch bedeutet, zeigt der ADAC-Dauertest: Ein VW ID.3 kam nach über 160.000 Kilometern auf rund 91 Prozent Restkapazität — weit oberhalb der Schwelle, ab der die Garantie überhaupt greift.

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Die Batterie ist das teuerste Einzelteil eines Elektroautos, und die Garantie darauf ist das einzige Versprechen, das ein Hersteller dazu schriftlich gibt. Die Formel klingt überall gleich: acht Jahre, 160.000 Kilometer, 70 Prozent. Wer die Bedingungen nebeneinanderlegt, sieht aber, dass sich diese drei Zahlen sehr unterschiedlich zusammensetzen — und dass sie bei manchen Herstellern gar nicht öffentlich stehen. Wir haben am 28. August 2026 abgerufen, was die Hersteller selbst veröffentlichen.

Was die Hersteller schriftlich zusagen

  • Volkswagen — 8 Jahre oder 160.000 Kilometer — zugesicherte Mindestkapazität 70 Prozent; Formulierung auf der VW-Seite: „Wir geben Ihnen eine Garantie von acht Jahren oder 160.000 Kilometern auf die Hochvoltbatterie – inklusive einer zugesicherten Mindestkapazität von 70 %“
  • BMW (Battery Certificate) — die ersten 160.000 Kilometer, spätestens 8 Jahre nach Erstauslieferung — ein Abfall der nutzbaren Kapazität unter 70 Prozent gilt laut Zertifikatstext als „übermäßiger Kapazitätsverlust“; die Fassungen für Gewährleistungsbeginn vor und ab dem 1. April 2025 nennen dieselben Eckwerte
  • Tesla, Model S und Model X — 8 Jahre oder 240.000 Kilometer — mindestens 70 Prozent Batteriekapazität
  • Tesla, Model 3 und Model Y in den Premium-Varianten — 8 Jahre oder 192.000 Kilometer — mindestens 70 Prozent
  • Tesla, Model 3 RWD und Model Y RWD — 8 Jahre oder 160.000 Kilometer — mindestens 70 Prozent; die Neuwagen-Basisgarantie liegt bei 4 Jahren oder 80.000 Kilometern
  • Kia — 8 Jahre ab Erstzulassung oder 160.000 Kilometer, ab Modelljahr 2026 — 70 Prozent; gilt für Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge, die Kapazitätsminderung bei Voll- und Mild-Hybriden ist ausdrücklich nicht abgedeckt. Die allgemeine Fahrzeuggarantie beträgt davon abweichend 7 Jahre oder maximal 150.000 Kilometer, in den ersten drei Jahren ohne Kilometerbegrenzung
  • Renault — 8 Jahre oder 160.000 Kilometer — „mindestens 70 % der ursprünglichen Kapazität der Batterien während der Garantielaufzeit“
  • Toyota, vollelektrische Modelle, Kapazitätsgarantie — 8 Jahre oder 160.000 Kilometer ab Erstzulassung, im ersten Jahr ohne Kilometerbegrenzung — mindestens 70 Prozent des ursprünglichen Werts
  • Toyota, vollelektrische Modelle, Funktionsgarantie — 5 Jahre oder 100.000 Kilometer — deckt Fehler bei Herstellung oder Montage ab, keine Kapazitätszusage
  • Mercedes-Benz — keine konkreten Bedingungen auf den abgerufenen Seiten — die Seite zu elektrischen jungen Sternen nennt nur „eine Garantie von bis zu 10 Jahren“, ohne Kilometergrenze und ohne Kapazitätsschwelle

Toyota rechnet anders — und lässt nachverlängern

Toyota ist der einzige Hersteller in dieser Auswahl, der die Batteriegarantie in zwei Versprechen aufteilt und beide verlängerbar macht. Die Kapazitätsgarantie über 8 Jahre oder 160.000 Kilometer verlängert sich über das Programm Toyota Relax jeweils um ein Jahr, wenn der Batterietest bei der Inspektion bestanden wurde — bis maximal 10 Jahre oder 250.000 Kilometer. Die Funktionsgarantie über 5 Jahre oder 100.000 Kilometer, die Fehler bei Herstellung oder Montage abdeckt, verlängert sich nach demselben Muster bis maximal 10 Jahre oder 1.000.000 Kilometer. Für Hybridbatterien gilt eine eigene Staffel bis zu einem Fahrzeugalter von 15 Jahren und 250.000 Kilometern. Voraussetzung sind laut Toyota in allen Fällen „die vorgeschriebenen Wartungen“ — die Verlängerung ist also an den Werkstattbesuch gekoppelt und läuft aus, sobald er ausbleibt.

Was 70 Prozent in der Praxis bedeutet

Die Schwelle liegt bewusst tief. Sie markiert nicht, was ein Akku üblicherweise leistet, sondern ab wann ein Hersteller zahlt. Der ADAC hat einen VW ID.3 im Dauertest über 160.000 Kilometer gefahren und in der Meldung vom 15. Juli 2025 im Durchschnitt rund 91 Prozent State of Health gemessen — also 21 Prozentpunkte oberhalb der Grenze, an der die Garantie überhaupt greifen würde. Für einen BMW i3 aus dem Jahr 2014 nennt der ADAC nach 100.000 Kilometern noch 86 Prozent Kapazität und rechnet hoch, dass 70 Prozent erst nach etwa 200.000 Kilometern erreicht würden. Wer eine Batteriegarantie als Absicherung gegen normalen Verschleiß liest, missversteht sie: Sie ist eine Absicherung gegen den atypischen Ausfall.

  • ADAC-Dauertest VW ID.3, Meldung vom 15.07.2025 — über 160.000 Kilometer gefahren, im Mittel rund 91 Prozent SoH, Garantiegrenze 70 Prozent
  • BMW i3, Baujahr 2014, ADAC-Messung — nach 100.000 Kilometern noch 86 Prozent Kapazität
  • ADAC-Hochrechnung — Abnahme auf 70 Prozent erst nach etwa 200.000 Kilometern
  • ADAC zu den Kosten nach Garantieablauf — „Mit Angaben über konkrete Preise einer Batteriereparatur nach Ablauf der Garantie tun sich die Hersteller leider immer noch schwer“

Praktisch heißt das dreierlei. Erstens: Die Kilometergrenze ist beim Gebrauchtwagenkauf oft der bindende Wert, nicht das Jahr — ein vier Jahre altes Vielfahrerauto kann die Garantie längst verbraucht haben. Zweitens: Wo die Verlängerung an Inspektionen hängt, wie bei Toyota Relax, ist ein lückenloses Scheckheft direkt Geld wert, und eine Lücke beendet die Verlängerung. Drittens: Die 70-Prozent-Grenze ist eine Zusage über die Kapazität, keine über den Preis einer Reparatur danach — und genau diesen Preis veröffentlicht laut ADAC bis heute kaum ein Hersteller.

Sources

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