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10.092 Euro aus dem Online-Casino zurück? Am 17. September verhandelt der BGH den Musterfall

Der Bundesgerichtshof hat ein Rückforderungsverfahren gegen einen maltesischen Anbieter zum Leitentscheidungsverfahren erklärt — vom Ausgang hängen Tausende gestoppte Klagen ab.

Meridians Wirtschafts-Redaktion

Published 13. September 2026 · Updated 13. September 2026 · 4 min read

10.092 Euro aus dem Online-Casino zurück? Am 17. September verhandelt der BGH den MusterfallGaming
Photo: Foto von Aidan Howe / Pexels (Pexels-Lizenz — kostenlos nutzbar, Nennung rechtlich nicht erforderlich (oben dennoch angegeben).)

The short answer

  • Am 17. September 2026 verhandelt der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs über die Klage eines Spielers, der 10.092 Euro Verluste von einem Online-Casino zurückverlangt.
  • Der Anbieter hatte eine maltesische Lizenz, aber im Zeitraum vom 25. Dezember 2020 bis zum 3. September 2022 keine deutsche Erlaubnis.
  • Landgericht Heilbronn und Oberlandesgericht Stuttgart gaben dem Spieler recht: Die Spielverträge seien nach § 134 BGB nichtig.
  • Der BGH hat das Verfahren nach § 552b ZPO zum Leitentscheidungsverfahren bestimmt. Die Antworten sollen für eine Vielzahl gleichgelagerter Verfahren gelten.

Wer zwischen 2018 und 2022 in einem Online-Casino gespielt und verloren hat, findet im Netz reichlich Kanzleiwerbung: Geld zurück, angeblich sicher. Sicher war daran bisher wenig. Am Donnerstag, dem 17. September 2026, um 10.00 Uhr verhandelt der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs einen Fall, der das ändern soll.

Der Fall

Der Kläger verlangt 10.092 Euro zurück. Er hatte auf einer deutschsprachigen Website an Online-Casinospielen teilgenommen. Die Betreiberin sitzt in Malta und besaß dort eine Glücksspiellizenz. Eine deutsche Erlaubnis hatte sie im maßgeblichen Zeitraum vom 25. Dezember 2020 bis zum 3. September 2022 nicht. Das Landgericht Heilbronn und das Oberlandesgericht Stuttgart sprachen dem Kläger das Geld zu: Die Spielverträge seien nach § 134 BGB nichtig, weil sie gegen das Verbot unerlaubten Glücksspiels im Internet nach dem Glücksspielstaatsvertrag verstoßen. Zurückgefordert wird das Geld über das Bereicherungsrecht, § 812 BGB.

Warum dieser Termin Tausende Verfahren betrifft

Der BGH hat das Verfahren nach seiner eigenen Mitteilung als Leitentscheidungsverfahren nach § 552b ZPO bestimmt. Dieses Instrument gibt es erst seit 2024. Es erlaubt dem Senat, Rechtsfragen zu klären, die in einer Vielzahl weiterer Verfahren dieselbe Rolle spielen. Der europarechtliche Teil ist bereits abgeräumt: Der Europäische Gerichtshof entschied am 16. April 2026 in der Rechtssache C-440/23, dass das deutsche Verbot öffentlicher Online-Casinospiele mit Artikel 56 AEUV vereinbar ist, dass eine ausländische Lizenz den Schutz inländischer Verbraucher nicht ersetzt und dass die Rückforderung von Verlusten keinen unionsrechtlichen Rechtsmissbrauch darstellt. Übrig bleiben die zivilrechtlichen Fragen — und die entscheidet der BGH.

  • Ob und ab wann der Spielvertrag nichtig ist
  • Ob der Anbieter einwenden kann, der Spieler habe von der fehlenden Erlaubnis gewusst
  • Wann die Verjährung beginnt — bei alten Verlusten ist das oft die entscheidende Frage
  • Welche Einwendungen dem Betreiber sonst noch offenstehen

Praktisch heißt das: Wer eine solche Forderung erwägt, sollte vor dem 17. September nichts unterschreiben, was ihn an ein Erfolgshonorar oder eine Prozessfinanzierung bindet. Die Verjährungsfrage kann aber in die andere Richtung drängen — bei weit zurückliegenden Verlusten ist Warten nicht kostenlos. Wer betroffen ist und Fristen laufen sieht, klärt das besser vorher mit einer eigenen Rechtsberatung als nach der Verhandlung.

Sources

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