Jeder Zweite sieht KI-Bilder im Netz – nur jeder Fünfte prüft, woher sie stammen
Der Cybersicherheitsmonitor 2026 von BSI und Polizei misst, wie Menschen in Deutschland mit KI-Inhalten und Online-Betrug umgehen. Die Lücke liegt nicht beim Misstrauen, sondern beim Nachsehen.
Meridians Technik-Redaktion
Published 23. August 2026 · Updated 23. August 2026 · 5 min read
AIThe short answer
- Für den Cybersicherheitsmonitor 2026 haben BSI und die Polizeiliche Kriminalprävention 3.060 Menschen ab 16 Jahren befragt, vom 6. bis 12. Januar 2026.
- 59 Prozent sind schon auf KI-erzeugte Bilder oder Videos gestoßen, aber nur 19 Prozent haben je die Quelle eines Bildes oder Videos überprüft.
- 11 Prozent der Internetnutzer waren allein im Vorjahr von einer Straftat im Internet betroffen; 88 Prozent der Betroffenen berichten von einem Schaden, ein Drittel von finanziellen Verlusten.
- Bekannt sind vor allem die alten Schutzmaßnahmen: sichere Passwörter 55 Prozent, Virenschutz 54 Prozent, Zwei-Faktor-Anmeldung nur 40 Prozent.
Der Cybersicherheitsmonitor ist eine der wenigen amtlichen Zahlenreihen dazu, wie Menschen in Deutschland tatsächlich mit digitalen Risiken umgehen – nicht, wie sie es sollten. Herausgeber sind das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und das Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Für die Ausgabe 2026 wurden 3.060 Personen ab 16 Jahren mit Internetzugang befragt, zwischen dem 6. und dem 12. Januar 2026, online und gewichtet nach Alter, Geschlecht, Region und Bildung.
Die Lücke liegt beim Nachsehen
59 Prozent der Befragten sind im Netz bereits auf KI-erzeugte Bilder oder Videos gestoßen. Beim Prüfen wird es dünn. 40 Prozent haben sich immerhin gefragt, ob die dargestellte Szene realistisch wirkt. 28 Prozent haben nach Ungereimtheiten gesucht, etwa falschen Schatten oder verformten Gliedmaßen. Und nur 19 Prozent haben je nachgesehen, woher ein Bild oder Video eigentlich stammt. Rund ein Drittel hat keine einzige von elf abgefragten Methoden angewandt. Das Misstrauen ist also da – die Handgriffe fehlen.
Unterschätzt: was Angreifer mit KI schon können
Die Befragung zeigt auch, was für technisch unmöglich gehalten wird, obwohl es möglich ist. Nur 38 Prozent halten es für machbar, dass Kriminelle KI-Programme so manipulieren, dass diese sensible Daten preisgeben. 40 Prozent halten versteckte Anweisungen in Dokumenten für möglich. Beides funktioniert. Die ProPK-Vorsitzende, Polizeipräsidentin Dr. Stefanie Hinz, nennt als verbreitete Masche das Cybertrading: KI-erzeugte Videos angeblicher Prominenter werben für erfundene Geldanlagen. BSI-Präsidentin Claudia Plattner betont, dass das Erkennen KI-erzeugter Inhalte inzwischen zur Grundausstattung gehört, um Risiken und Desinformation überhaupt einordnen zu können. Dass es dabei nicht um ein Randproblem geht, zeigen die Betroffenheitszahlen der Erhebung:
- 11 Prozent der Internetnutzer waren allein im Vorjahr von einer Straftat im Internet betroffen
- Häufigste Vorfälle: Betrug beim Online-Einkauf 22 Prozent, fremder Zugriff auf Accounts 14 Prozent, Betrug beim Online-Banking 13 Prozent, Phishing 12 Prozent
- 88 Prozent der Betroffenen berichten von einem Schaden, ein Drittel von finanziellen Verlusten
- Nur 14 Prozent informieren sich regelmäßig über Cybersicherheit, 40 Prozent erst, wenn etwas passiert ist
Bekannt sind vor allem die Maßnahmen aus den Nullerjahren: sichere Passwörter kennen 55 Prozent, Virenschutz 54 Prozent. Die Zwei-Faktor-Anmeldung, die heute den größten Unterschied macht, nutzen 40 Prozent. Automatische Updates haben 26 Prozent aktiviert, 24 Prozent aktualisieren von Hand. Wenn Sie an einer Stelle ansetzen wollen: Schalten Sie die Zwei-Faktor-Anmeldung für E-Mail-Konto und Online-Banking ein und lassen Sie Updates automatisch laufen. Und wenn ein Video Sie zu einer Geldanlage drängt, suchen Sie den Namen der angeblich werbenden Person zusammen mit dem Wort Betrug – das ist die Quellenprüfung, die vier von fünf Befragten bisher auslassen.
Sources
Every factual claim above is traceable to these documents. Check them — that is why they are here.
- KI-Betrug im Netz: Nur ein Fünftel überprüft die Quelle (Pressemitteilung vom 13. April 2026)Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
- Cybersicherheitsmonitor 2026: Jede zehnte Person allein im Vorjahr betroffenBundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
- Cyberkriminalität im Alltag: Jede zehnte Person in Deutschland betroffenProgramm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
About this byline
Meridians Technik-Redaktion is an editorial desk at Meridians, not an individual. A desk byline means the article was produced and fact-checked to that desk's published standards. Read our editorial standards and corrections policy.
Anzeige
Paid placement · not editorial
KI-Aufsicht: Die Bundesnetzagentur ist jetzt zuständig
4 Min. Lesezeit · 17. September 2026
Die EU verschiebt die strengsten Fristen des AI Act um bis zu 16 Monate. Eine Frist blieb bestehen.
5 Min. Lesezeit · 6. September 2026
Wenn eine KI Sie aussortiert, gibt es jetzt eine Adresse: die Bundesnetzagentur
4 Min. Lesezeit · 6. September 2026
The Meridians Brief
One considered email a week
What changed, what it costs you, and what to do about it — from the Meridians desks. No sponsored picks disguised as recommendations.
Sign-up opens with our launch issue. Nothing is sent or stored yet.

