Carsharing: Einer rechnet nach Kilometern, einer nach Minuten — und die Selbstbeteiligung reicht von 900 bis 1.800 Euro
Fünf Anbieter, drei Abrechnungsmodelle. Wir haben die Preisseiten abgerufen und aufgeschrieben, was dort steht — und wo keine Zahl steht.
Meridians Technik-Redaktion
Published 7. September 2026 · Updated 7. September 2026 · 8 min read
AutomotiveThe short answer
- Carsharing-Preise lassen sich nicht auf eine Zahl bringen: MILES rechnet nach Kilometern ab, SIXT share und Free2move nach Minuten, stadtmobil und cambio nach Monatsbeitrag plus Zeit plus Kilometer.
- Die veröffentlichten Einstiegspreise liegen bei 0,79 Euro je Kilometer (MILES, S-/M-Autos), 0,15 Euro je Minute (SIXT share) und 0,17 Euro je Minute (Free2move Berlin, Fiat 500e) — jeweils zuzüglich einer Entsperrgebühr von 1 bis 2 Euro.
- Der größte Betrag steht nicht im Minutenpreis, sondern in der Selbstbeteiligung: 900 Euro bei MILES für kleine Autos, 950 bei SIXT share, bis 1.750 bei MILES-Transportern, 1.800 bei cambio.
- Free2move nennt auf seiner Berliner Preisseite weder Registrierungsgebühr noch Selbstbeteiligung, cambio veröffentlicht seine Tarife nur nach Auswahl einer Stadt. Beides gehört zum Vergleich dazu.
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Carsharing ist in Deutschland kein Nischenangebot mehr. Der Bundesverband CarSharing zählt zum Stichtag 1. Januar 2026 insgesamt 43.190 Fahrzeuge bei 293 Anbietern in 1.490 Kommunen; allein im stationsbasierten und kombinierten Segment sind 978.300 Menschen fahrberechtigt. Nur: Ein Preisvergleich über diese Anbieter hinweg ergibt keine einzige Vergleichszahl, weil jeder nach einer anderen Einheit abrechnet. MILES rechnet nach Kilometern, SIXT share und Free2move nach Minuten, stadtmobil und cambio nach Monatsbeitrag plus Zeit plus Kilometer. Wir haben deshalb am 7. September 2026 die Preisseiten aufgerufen und nur notiert, was dort tatsächlich steht. Zuerst die drei großen Free-Floating-Anbieter, bei denen man das Auto irgendwo aufschließt und irgendwo anders stehen lässt.
- MILES — ab 0,79 Euro je Kilometer (S-/M-Autos) — dazu 1 Euro Entsperrgebühr je Fahrt und 0,35 Euro je Minute Standzeit. Premium-Autos ab 1,09 Euro/km, L-/XL-Transporter ab 1,29 Euro/km, jeweils mit 2 Euro Entsperrgebühr. Kraftstoff beziehungsweise Ladestrom und Versicherung sind laut Anbieter im Tarif enthalten.
- SIXT share — ab 0,15 Euro je Minute — dazu 1,95 Euro Entsperrgebühr je Fahrt. Die Preisliste weist daneben einen Kilometerpreis ab 0,99 Euro und Zusatzkilometer zu 0,55 Euro aus; wie Minuten- und Kilometerpreis im Einzelfall zusammenwirken, geht aus der veröffentlichten Liste nicht eindeutig hervor — maßgeblich ist die Buchungsansicht in der App. Benzin, Strom und öffentliche Parkgebühren sind laut Preisliste enthalten. Registrierungsgebühr bis 31.12.2026: 0 Euro, danach 29 Euro.
- Free2move (Preisseite Berlin) — ab 0,17 Euro je Minute für den Fiat 500e — Peugeot 208, Citroën C3 und Opel Corsa ab 0,24 Euro je Minute, Citroën C4, Opel Crossland, Opel Astra und Opel Mokka Electric ab 0,27 Euro, Peugeot 2008 und 3008 ab 0,30 Euro. Der Transporter Opel Movano ab 24,99 Euro je Stunde. Tanken oder Laden und Parken sind laut Anbieter enthalten; die Stunden- und Tagessätze enthalten ausdrücklich keine Kilometerpauschale.
- Pakete statt Einzelabrechnung — MILES: 39,99 Euro für 3 Stunden und bis 40 Kilometer (S-/M-Auto), 44,99 Euro für 6 Stunden und 50 Kilometer, 24,99 Euro für einen Tag beim S-Auto. SIXT share: Tagespaket ab 19,99 Euro in Preiskategorie 1 und ab 39,99 Euro in Kategorie 5, jeweils zuzüglich der Entsperrgebühr von 1,95 Euro.
- Nicht veröffentlicht — Free2move nennt auf der abgerufenen Berliner Preisseite weder eine Registrierungsgebühr noch eine Selbstbeteiligung und verweist dafür auf die App. Wir führen deshalb für Free2move in der zweiten Aufstellung keinen Betrag.
Die größte Zahl steht nicht im Minutenpreis, sondern in der Selbstbeteiligung
- MILES — 900 Euro je Schadenfall — bei S- und M-Autos; 1.000 Euro bei Premium-Fahrzeugen, 1.750 Euro bei L- und XL-Transportern. Eine Option zur Reduzierung nennt die Gebührenseite nicht.
- SIXT share — 950 Euro je Schadenfall — mit der buchbaren Schutzoption ab 0,08 Euro je Minute sinkt der Betrag laut Preisliste auf 0 Euro.
- cambio — 1.800 Euro je Schadenfall — das optionale SiPack für 60 Euro im Jahr senkt den Betrag auf 300 Euro.
- stadtmobil Karlsruhe — maximal 1.200 Euro je Schadenfall — mit dem Sicherheitspaket für 49 Euro im Jahr maximal 300 Euro, bei Teilkaskoschäden 0 Euro.
- Free2move — kein veröffentlichter Betrag — die abgerufene Berliner Preisseite nennt keine Selbstbeteiligung.
- Was daneben noch teuer wird — MILES veröffentlicht eine Liste von Pauschalen, darunter 150 Euro bei Fehlbetankung oder falschem Laden, 100 Euro für Rauchen im Fahrzeug, 250 Euro für unerlaubte Auslandsfahrten und 500 Euro für das Abstellen außerhalb des Geschäftsgebiets, vertraglich bis 1.000 Euro.
Stationsbasiert: Monatsbeitrag, Zeit und Kilometer — und bei cambio keine Zahl ohne Stadt
- stadtmobil Karlsruhe, Vertragsvariante Basis — 80 Euro einmalig, 7 Euro im Monat — ohne Kaution. Die Varianten Partner und Studierende kosten ebenfalls 80 Euro einmalig, aber 3 Euro im Monat.
- stadtmobil Karlsruhe, Vertragsvariante Premium — 380 Euro einmalig, 5 Euro im Monat — dazu 300 Euro Kaution.
- Zeittarif tagsüber (7 bis 24 Uhr) — 1,20 bis 4,80 Euro je Stunde — Klasse A (Mini) 1,20 Euro, B (Smart) 1,50, C (Klein) 1,80, D (Mittel) 2,20, E (Kombi) 2,40, F (Groß) 2,80, G (Maxi) 3,80, H (Transport) 4,80.
- Kilometerpreis bis 100 Kilometer — 0,23 bis 0,36 Euro — Klassen A und B 0,23 Euro, C 0,25, D 0,27, E 0,28, F 0,30, G 0,34, H 0,36.
- Grundgebühr je Buchung — 1,20 Euro — zusätzlich zu Zeit- und Kilometerpreis.
- cambio — kein Betrag auf der Tarifseite — die Seite nennt vier Tarife (CAMPUS, BASIS, AKTIV, COMFORT), zeigt Beträge aber erst nach Auswahl einer Stadt. Bundesweit veröffentlicht cambio dagegen: Sprit ist enthalten, ein Tarifwechsel kostet 5 Euro, und die Kilometerpreise sind an den Kraftstoffpreis gekoppelt — Basiswert ist 1,55 Euro je Liter E5.
Wer die Zahlen nebeneinanderlegt, sieht zwei verschiedene Produkte. Free-Floating verkauft Spontaneität: keine Grundgebühr, kein Monatsbeitrag, dafür Preise, die schon bei einer halben Stunde Stadtfahrt zweistellig werden, und Selbstbeteiligungen zwischen 900 und 1.750 Euro. Stationsbasiert verkauft Planbarkeit: 80 Euro Aufnahme und 7 Euro im Monat bei stadtmobil Karlsruhe, danach 1,20 Euro je Stunde und 0,23 Euro je Kilometer für den Kleinstwagen — Beträge, die eine Wochenendfahrt in eine andere Größenordnung setzen, sich aber erst ab einer gewissen Nutzungshäufigkeit rechnen. Die Rechnung, welches Modell für wen günstiger ist, kann niemand pauschal aufmachen: Sie hängt an Fahrten pro Monat, Dauer je Fahrt und Kilometern je Fahrt. Was sich sagen lässt: Der Posten, der im Schadensfall am meisten weh tut, steht bei allen Anbietern nicht im Minutenpreis.
Sources
Every factual claim above is traceable to these documents. Check them — that is why they are here.
- Preise — Carsharing pro km und Langzeitmieten (abgerufen 07.09.2026)MILES Mobility
- Gebühren und Kosten — Selbstbeteiligung und Pauschalen (abgerufen 07.09.2026)MILES Mobility
- Car sharing rates Germany — Minuten-, Kilometer- und Paketpreise (abgerufen 07.09.2026)SIXT share
- Protection Options — Standard-Selbstbeteiligung 950 Euro (abgerufen 07.09.2026)SIXT share
- Carsharing in Berlin — Minutenpreise je Fahrzeug (abgerufen 07.09.2026)Free2move
- Was kostet CarSharing mit cambio? — Tarifübersicht, Selbstbeteiligung, SiPack (abgerufen 07.09.2026)cambio CarSharing
- Tarif- und Gebührenordnung, gültig ab 01.05.2026 (PDF)stadtmobil Karlsruhe
- Carsharing-Statistik 2026 — Stichtag 1. Januar 2026bcs Bundesverband CarSharing
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