Drei Milligramm je Kilogramm: der Grenzwert, an dem Lederwaren scheitern
Ein Handtaschen-Rückruf führt zu einer EU-Regel von 2014 — und zu einer Untersuchung, bei der jede achte Lederprobe auffiel.
Meridians Leben-Redaktion
Published 30. August 2026 · Updated 30. August 2026 · 4 min read
FashionThe short answer
- Anfang August wurde eine schwarze Echtleder-Handtasche zurückgerufen, weil der gesetzliche Grenzwert für Chrom VI überschritten war.
- Der Grenzwert liegt bei 3 Milligramm je Kilogramm Trockengewicht und gilt seit dem 1. Mai 2015 für Lederartikel mit Hautkontakt.
- Chrom VI ist ein Kontaktallergen; nach Nickel und Duftstoffen zählt es zu den häufigsten.
- Eine Untersuchung in Baden-Württemberg fand bei 380 Lederwarenproben 58 Überschreitungen — Lederhosen fielen mit 38 Prozent am häufigsten auf.
Am 4. August 2026 wurde eine schwarze Echtleder-Handtasche des Modells Brampton mit der Style-Nummer 65306 zurückgerufen, verkauft über TK Maxx. Der Grund steht in einem Satz: Der gesetzliche Grenzwert für Chrom VI war überschritten. Was dieser Satz bedeutet, erklärt der Rückruf nicht — er ist aber der praktisch wichtigste Teil.
Woher der Grenzwert kommt
Für Lederartikel, die mit der Haut in Berührung kommen, gilt ein Höchstgehalt von 3 Milligramm Chrom VI je Kilogramm Trockengewicht — das sind 0,0003 Gewichtsprozent. Festgelegt hat ihn die Verordnung (EU) Nr. 301/2014, die den Anhang XVII der europäischen Chemikalienverordnung REACH geändert hat. Anwendbar ist die Grenze seit dem 1. Mai 2015. Sie betrifft Schuhe, Handschuhe, Gürtel, Uhrenarmbänder, Taschen — alles, was am Körper getragen wird. Leder wird in der Regel mit Chromsalzen gegerbt. Chrom VI ist dabei nicht das eingesetzte Gerbmittel, kann aber im fertigen Leder auftreten. Für Menschen mit Chromallergie ist das kein Schönheitsfehler: Chrom VI ist ein Kontaktallergen, das nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW zu Schwellungen, Rötungen, Bläschen und Schuppung führen kann. Nach Nickel und Duftstoffen gehört es zu den häufigsten Auslösern von Kontaktallergien.
Wie oft Leder daran scheitert
Die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter Baden-Württemberg haben 2015 und 2016 insgesamt 380 Lederwarenproben untersucht und dabei 513 Einzelanalysen durchgeführt, weil ein Produkt oft aus mehreren Lederteilen besteht. In 58 Proben lag der Gehalt über 3 Milligramm je Kilogramm — jener Grenze, die zugleich die Bestimmungsgrenze der Methode ist. Am häufigsten fielen Lederhosen auf, mit einer Beanstandungsquote von 38 Prozent, gefolgt von Arbeitshandschuhen mit 15 und sonstigen Handschuhen mit 10 Prozent. Bis zu 12 Prozent der untersuchten Lederprodukte waren nach Einschätzung des Untersuchungsamts als gesundheitsschädlich zu beurteilen.
Was Sie tun können
- Ansehen kann man Chrom VI dem Leder nicht. Es gibt keinen Geruch, keine Farbe, kein Merkmal am Produkt.
- Wer auf Chrom reagiert, greift zu pflanzlich gegerbtem Leder oder zu Alternativen ohne Leder — das ist der Rat der Verbraucherzentrale NRW.
- Bei Hautreaktionen an genau den Stellen, an denen Leder aufliegt, ist der Zusammenhang zumindest einen Arztbesuch wert.
- Verdachtsfälle können Sie der örtlichen Lebensmittel- und Bedarfsgegenständeüberwachung melden. Sie ist für Lederwaren zuständig, auch wenn der Name anderes vermuten lässt.
- Rückrufe für Bedarfsgegenstände laufen selten über den Kassenbon: Rückgabe ist meist auch ohne möglich.
Sources
Every factual claim above is traceable to these documents. Check them — that is why they are here.
- Rückrufe im Bereich Mode und Lifestyle — Brampton Echtleder-Handtasche (04.08.2026)produktwarnung.eu
- Leder mit Chrom VI: Wie gefährlich ist das?Verbraucherzentrale NRW
- Chrom(VI) in Lederprodukten — UntersuchungsergebnisseChemische und Veterinäruntersuchungsämter Baden-Württemberg
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