Social Media ab 13: Was die Regierungskommission empfiehlt — und was daraus ein Gesetz machen müsste
56 Handlungsempfehlungen liegen auf dem Tisch, der Abschlussbericht ist für diesen Monat angekündigt — verbindlich ist bisher nichts davon.
Meridians Leben-Redaktion
Published 13. September 2026 · Updated 13. September 2026 · 5 min read
FamilyThe short answer
- Die vom Bundesfamilienministerium eingesetzte Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ hat 56 Handlungsempfehlungen vorgelegt.
- Kernvorschlag: ein Mindestalter von 13 Jahren für die eigenständige Nutzung sozialer Medien, darunter nur nachweislich kindersichere Angebote mit Einwilligung der Eltern.
- Die Empfehlungen wurden am 24. Juni 2026 übergeben, die vollständigen Texte am 31. August 2026 veröffentlicht; der Abschlussbericht ist für September 2026 angekündigt.
- Bundesministerin Karin Prien will zunächst eine europäische Lösung, bereitet aber nach eigenen Angaben parallel eine nationale Regelung vor.
Wenn Ihr elfjähriges Kind fragt, ob es endlich TikTok haben darf, hilft Ihnen das deutsche Recht bisher wenig. Eine feste Altersgrenze gibt es nicht. Seit dem Sommer liegt aber ein Vorschlag vor, der das ändern soll — und der bis Jahresende ein Gesetzgebungsverfahren auslösen könnte.
Wer das vorschlägt
Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat im September 2025 eine unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ eingesetzt. 18 Fachleute — darunter Juristinnen, Bildungsforscher und Medizinerinnen — arbeiteten unter dem Vorsitz von Nadine Schön und Olaf Köller. Am 24. Juni 2026 übergaben sie Bundesministerin Karin Prien 56 Handlungsempfehlungen. Die vollständigen Texte mit den Problembeschreibungen folgten am 31. August 2026.
Was konkret empfohlen wird
- Mindestalter 13 Jahre für die eigenständige Nutzung sozialer Medien, abgesichert durch eine wirksame Altersverifikation
- Unter 13 Jahren: nur nachweislich kindersichere, risikoarme Angebote und nur mit Einwilligung der Eltern
- Abgestufte Schutzmaßnahmen bis zum 18. Geburtstag statt eines Schalters, der mit 13 alles freigibt
- „Safety by design“: Für Konten Minderjähriger sollen algorithmische Feeds, personalisierte Werbung, Suchtmechanismen und Gestaltungstricks wie endloses Scrollen abgeschaltet sein
- Private Handys sollen bundesweit bis zur siebten Klasse in Unterricht und Pausen tabu sein; ab Klasse 8 regeln es die Schulen selbst
Der Punkt, an dem es kompliziert wird
Eine Altersgrenze funktioniert nur mit einer Altersprüfung, und jede Altersprüfung erzeugt Daten. Die Kommission benennt das selbst: Sie hält eine Verifikation für nötig, warnt aber ausdrücklich vor biometrischen Verfahren, weil sie Privatsphäre und Selbstbestimmung gefährden, und fordert europäische Vorgaben dazu, welche Daten Plattformen überhaupt erheben dürfen. Ministerin Prien setzt auf die EU-Brieftasche EUDI-Wallet ab Anfang 2027 und will zunächst eine europäische Lösung über den Digital Services Act; kommt die nicht voran, will sie parallel eine nationale Regelung vorbereiten. Aus der Netzpolitik kommt Kritik: Eine flächendeckende Alterskontrolle sei eine Infrastruktur, die sich auch für anderes nutzen lässt.
Für Eltern heißt das heute rechtlich: nichts. Es gibt keine Altersgrenze von 13 Jahren, keine Pflicht der Plattformen, den Feed für Minderjährige abzuschalten, und keine bundeseinheitliche Handyregel an Schulen. Was es gibt, ist eine begründete Empfehlung, an der Sie sich orientieren können — und ein Hinweis darauf, wohin die Regulierung läuft. Wer die Diskussion zu Hause führt, hat mit den Kommissionstexten eine sachliche Grundlage, die über „andere dürfen das auch“ hinausgeht.
Sources
Every factual claim above is traceable to these documents. Check them — that is why they are here.
- Expertenkommission veröffentlicht HandlungsempfehlungenBundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
- Handlungsempfehlungen der Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
- Jugendschutz-Empfehlungen: Expert*innen-Kommission schlägt Alternativen zum Social-Media-Verbot vornetzpolitik.org
- Expertenkommission empfiehlt Zugang zu sozialen Medien ab 13 JahrenDeutsches Ärzteblatt
About this byline
Meridians Leben-Redaktion is an editorial desk at Meridians, not an individual. A desk byline means the article was produced and fact-checked to that desk's published standards. Read our editorial standards and corrections policy.
Anzeige
Paid placement · not editorial
15 Kinderkrankentage gelten nur noch bis Silvester — ab Januar stehen zehn im Gesetz
4 Min. Lesezeit · 9. September 2026
Seit diesem Schuljahr gilt der Ganztagsanspruch — vorerst nur für die erste Klasse
4 Min. Lesezeit · 31. August 2026
309 Euro im Monat für Freizeit, Sport und Kultur — aber für Ihren Haushalt gilt eine andere Zahl
4 Min. Lesezeit · 28. August 2026
The Meridians Brief
One considered email a week
What changed, what it costs you, and what to do about it — from the Meridians desks. No sponsored picks disguised as recommendations.
Sign-up opens with our launch issue. Nothing is sent or stored yet.

