Inflation zieht auf 2,8 Prozent an – und es liegt fast nur an der Energie
Die Teuerung ist im Juli deutlich gestiegen, doch Lebensmittel und Mieten waren daran kaum beteiligt. Was das für Ihr Erspartes und Ihre Verträge bedeutet.
Meridians Wirtschafts-Redaktion
Published 21. August 2026 · Updated 21. August 2026 · 4 min read
FinanceThe short answer
- Die Inflationsrate lag im Juli 2026 bei 2,8 Prozent nach 2,3 Prozent im Juni.
- Energie verteuerte sich um 8,3 Prozent, Kraftstoffe allein um 23,0 Prozent.
- Nahrungsmittel stiegen dagegen nur um 0,4 Prozent, Nettokaltmieten um 1,8 Prozent.
- Die EZB hat ihre Leitzinsen am 23. Juli 2026 unverändert gelassen; der Einlagesatz liegt bei 2,25 Prozent.
Das Statistische Bundesamt hat am 12. August 2026 die endgültigen Zahlen für Juli veröffentlicht. Die Verbraucherpreise lagen 2,8 Prozent über dem Vorjahresmonat. Im Juni waren es noch 2,3 Prozent. Gegenüber Juni stiegen die Preise um 0,8 Prozent.
Der Anstieg hat einen einzigen großen Treiber
Behördenpräsidentin Ruth Brand verweist auf die Energiepreise: Sie verteuerten sich weiter überdurchschnittlich und blieben der zentrale Preistreiber. Ein Blick auf die Teilbereiche zeigt, wie ungleich die Teuerung verteilt ist.
- Energie insgesamt: plus 8,3 Prozent zum Vorjahr
- Kraftstoffe: plus 23,0 Prozent zum Vorjahr, plus 11,2 Prozent allein gegenüber Juni
- Dienstleistungen: plus 2,9 Prozent
- Nettokaltmieten: plus 1,8 Prozent
- Nahrungsmittel und Getränke: plus 0,4 Prozent
Die Kernrate ohne Nahrungsmittel und Energie lag bei 2,4 Prozent. Der Abstand zur Gesamtrate von 2,8 Prozent ist genau das Maß, in dem Energie die Statistik nach oben zieht. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex, den die EZB betrachtet, stieg ebenfalls um 2,8 Prozent.
Warum das für Ihre Verträge zählt
Zwei praktische Folgen ergeben sich aus dieser Verteilung. Erstens: Wer viel pendelt, spürt eine deutlich höhere persönliche Inflationsrate als die 2,8 Prozent des Warenkorbs. Zweitens: Bei Verträgen mit Preisgleitklausel – etwa Gewerbemieten oder Unterhaltsvereinbarungen – wird meist der Gesamtindex herangezogen, nicht die für Sie zutreffende Teuerung. Prüfen Sie, welcher Index in Ihrem Vertrag steht.
Was die EZB daraus macht
Der EZB-Rat hat am 23. Juli 2026 alle drei Leitzinssätze unverändert gelassen: Einlagefazilität 2,25 Prozent, Hauptrefinanzierungsgeschäfte 2,40 Prozent, Spitzenrefinanzierungsfazilität 2,65 Prozent. Zur Begründung verwies der Rat auf einen schwankungsanfälligen, aber beherrschbaren Energiepreisausblick und auf die anhaltende Unsicherheit über Zweitrundeneffekte. Für Sparer heißt das: An den Tagesgeld- und Festgeldkonditionen ändert sich vorerst wenig, während die reale Verzinsung bei 2,8 Prozent Inflation für die meisten Angebote negativ bleibt.
Was Sie jetzt tun können
- Vergleichen Sie die Verzinsung Ihres Tagesgeldkontos mit dem Einlagesatz von 2,25 Prozent. Liegt sie deutlich darunter, ist ein Wechsel meist die einfachste Rendite.
- Rechnen Sie Ihre persönliche Teuerung überschlägig nach: Bei hohem Kraftstoffanteil ist Ihre reale Belastung höher als der amtliche Wert.
- Bei indexierten Verträgen lohnt der Blick in die Klausel, bevor eine Anpassung ins Haus steht.
Sources
Every factual claim above is traceable to these documents. Check them — that is why they are here.
- Inflationsrate im Juli 2026 bei +2,8 % (Pressemitteilung Nr. 283 vom 12. August 2026)Statistisches Bundesamt
- Inflationsrate im Juni 2026 bei +2,3 %Statistisches Bundesamt
- Geldpolitische Beschlüsse vom 23. Juli 2026Europäische Zentralbank
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