Inspektion zum Festpreis: Wir haben fünf Ketten gefragt. Keine nennt einen.
ATU, Vergölst, pitstop, Euromaster, Bosch Car Service — auf keiner der abgerufenen Seiten steht ein Eurobetrag. Was stattdessen dasteht, und was Sie verlangen können.
Meridians Technik-Redaktion
Published 21. August 2026 · Updated 21. August 2026 · 6 min read
AutomotiveThe short answer
- Für diesen Preisvergleich gibt es keine Preise: Keine der fünf großen Werkstattketten nennt auf ihrer Inspektionsseite einen konkreten Eurobetrag.
- Statt eines Festpreises verweisen alle auf eine fahrzeug- und filialabhängige Kalkulation, die erst nach Eingabe der Fahrzeugdaten sichtbar wird.
- Das ist sachlich nachvollziehbar, weil der Umfang der Inspektion aus der Herstellervorgabe folgt — es macht den Preis vor dem Termin aber unvergleichbar.
- § 632 Absatz 3 BGB gibt Ihnen das wirksame Gegenmittel: Ein Kostenanschlag ist im Zweifel nicht zu vergüten.
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Dieser Artikel war als Preisvergleich angelegt: die Inspektionspakete der großen Werkstattketten nebeneinander, Preis für Preis. Er ist keiner geworden, weil es die Preise nicht gibt. Wir haben am 21. August 2026 die Inspektionsseiten von fünf Ketten abgerufen. Auf keiner steht ein Eurobetrag. Das ist kein Rechercheproblem, sondern die Nachricht — und es lohnt sich, genau hinzusehen, was stattdessen dort steht.
Was auf den Seiten steht, wo der Preis stehen könnte
- ATU — kein Preis — die Seite bewirbt die Inspektion "nach Herstellervorschrift zum Komplettpreis" und erklärt: "Sobald Sie Ihr Fahrzeug und die gewünschte Filiale ausgewählt haben, wird Ihnen der Preis für die Inspektion angezeigt." Material und Aufwand für Zusatzarbeiten werden extra berechnet
- Vergölst — kein Preis — begründet wird das damit, dass "die Kosten einer Inspektion von Fahrzeugtyp, Umfang der Leistungen und Herstellerangaben" abhängen; genannt wird als Beispiel, dass Longlife-Öl teurer ist
- pitstop — kein Preis — die Seite bietet an, einen "Fairpreis für Inspektion" zu ermitteln; der Preis werde "individuell für dein Fahrzeug kalkuliert". Beziffert werden nur Nebenleistungen: Ersatzwagen mit Vollkasko und 100 Freikilometern, 24 Monate Mobilitätsgarantie
- Euromaster — kein Preis — die Seite unterscheidet kleine und große Inspektion und wirbt mit einem "fairen Preis", nennt aber keinen; die Kosten werden erst bei der Terminvereinbarung genannt
- Bosch Car Service — nicht prüfbar — die Inspektionsseite war am 21. August 2026 wegen einer Weiterleitungsschleife nicht abrufbar; wir führen sie deshalb als ungeprüft und nicht als preislos
Warum es keinen Festpreis gibt — und wo das berechtigt ist
Ein Teil der Begründung trägt. Was bei einer Inspektion zu tun ist, gibt der Fahrzeughersteller vor, und diese Vorgabe unterscheidet sich nach Modell, Motorisierung, Alter und Laufleistung. Ein Wagen, bei dem turnusmäßig nur Öl, Filter und eine Sichtprüfung anstehen, ist etwas anderes als einer, bei dem im selben Intervall Bremsflüssigkeit, Zündkerzen und Innenraumfilter fällig werden. Auch die Ölsorte macht einen realen Unterschied, wie Vergölst zu Recht anmerkt. Ein einziger Festpreis für alle Fahrzeuge wäre entweder für die meisten zu hoch oder für die Werkstatt nicht auskömmlich.
Der andere Teil trägt weniger. Nichts hindert eine Kette daran, für gängige Modelle Beispielpreise zu veröffentlichen, den Stundenverrechnungssatz zu nennen oder wenigstens zu sagen, was im Komplettpreis enthalten ist und was nicht. Bei der Hauptuntersuchung gibt es beides nebeneinander: TÜV SÜD und TÜV NORD veröffentlichen verbindliche Entgeltlisten je Bundesland, andere Prüforganisationen nicht. Es ist also machbar. Bei der Inspektion tut es im geprüften Feld niemand.
Was das Gesetz Ihnen stattdessen gibt
Wenn der Preis erst im Dialog entsteht, ist der schriftliche Kostenvoranschlag das einzige belastbare Dokument, das Sie vor der Arbeit in der Hand halten. Und den bekommen Sie in aller Regel kostenlos: § 632 Absatz 3 BGB lautet "Ein Kostenanschlag ist im Zweifel nicht zu vergüten." Im Zweifel heißt: Will die Werkstatt ihn bezahlt haben, muss sie das vorher ausdrücklich vereinbaren. Sagt niemand etwas dazu, ist er kostenfrei.
Was Sie vor dem Termin klären sollten
- Den Kostenvoranschlag schriftlich verlangen, mit getrennten Positionen für Arbeitszeit und Material — sonst lässt sich später nichts nachvollziehen
- Nachfragen, welche Ölspezifikation gerechnet ist; Longlife-Öl kostet mehr, ist aber bei vielen Modellen Herstellervorgabe
- Klären, ob Zusatzarbeiten wie Bremsflüssigkeitswechsel oder Innenraumfilter im genannten Preis enthalten sind oder extra kommen
- Eine Obergrenze vereinbaren, ab der die Werkstatt vor der Ausführung zurückfragen muss
- Den Serviceumfang der Herstellervorgabe für das eigene Modell nennen lassen — daran hängt auch, ob die Herstellergarantie erhalten bleibt
Der letzte Punkt ist der wichtigste, wenn das Auto noch in der Garantiezeit ist. Der ADAC formuliert es in seinem Beitrag zur Werkstattwahl vom 30. März 2026 so: Der Hersteller muss akzeptieren, dass die Inspektion in einer freien Werkstatt gemacht wird — "Voraussetzung ist, dass dort nach Herstellervorschriften gearbeitet wird." Ein Komplettpreis, der günstig aussieht, weil er hinter der Herstellervorgabe zurückbleibt, ist am Ende der teuerste.
Sources
Every factual claim above is traceable to these documents. Check them — that is why they are here.
- Inspektion fürs Auto — InformationsseiteATU
- Inspektion Kosten — Alle InformationenVergölst
- Auto Inspektion nach Herstellervorgabepitstop
- Inspektion nach HerstellervorgabeEuromaster
- Auto Inspektion (am 21.08.2026 nicht abrufbar)Bosch Car Service
- § 632 BGB — VergütungBürgerliches Gesetzbuch
- Vertragswerkstatt oder freie Werkstatt: Wohin zur Reparatur? (Stand 30.03.2026)ADAC
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