TÜV-Report 2026: 21,5 Prozent fallen durch — und die Spanne zwischen bestem und schlechtestem Neuwagen ist sechsfach
Der TÜV-Verband hat 9,5 Millionen Hauptuntersuchungen ausgewertet. Vierter Anstieg der Mängelquote in Folge. Was die Zahlen über Baujahre, Laufleistung und Elektroautos sagen — und was sie nicht sagen.
Meridians Technik-Redaktion
Published 23. August 2026 · Updated 23. August 2026 · 7 min read
AutomotiveThe short answer
- Im TÜV-Report 2026 fielen 21,5 Prozent der geprüften Fahrzeuge mit erheblichen oder gefährlichen Mängeln durch — 0,9 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr und der vierte Anstieg in Folge.
- Ausgewertet wurden rund 9,5 Millionen Hauptuntersuchungen zwischen dem 1. Juli 2024 und dem 30. Juni 2025, verteilt auf 216 Fahrzeugtypen, darunter 18 Elektroautos.
- In der jüngsten Altersklasse reicht die Spanne vom Mazda 2 mit 2,9 Prozent bis zum Tesla Model Y mit 17,3 Prozent — laut TÜV-Verband der höchste Wert dieser Altersklasse seit zehn Jahren.
- Entscheidend ist weniger die Marke als das Alter: Bei der zweiten HU liegt die Quote um 10 Prozent, bei der fünften bei 22,9 und bei der siebten bei 32,9 Prozent.
Der TÜV-Report ist keine Bestenliste im üblichen Sinn. Er ist eine Auswertung dessen, was Prüfer an der Hauptuntersuchung tatsächlich gefunden haben — und weil jedes Auto in Deutschland irgendwann dort vorfahren muss, ist er eine der wenigen Statistiken über Fahrzeugqualität, die niemand freiwillig zusammenstellt. Meridians hat nichts davon selbst geprüft: Sämtliche Zahlen in diesem Text stammen aus dem TÜV-Report 2026 des TÜV-Verbands, veröffentlicht am 20. November 2025.
Die Gesamtzahlen
Ausgewertet wurden rund 9,5 Millionen Hauptuntersuchungen aus dem Zeitraum 1. Juli 2024 bis 30. Juni 2025, verteilt auf 216 Fahrzeugtypen, darunter 18 Elektroautos. 21,5 Prozent der Fahrzeuge fielen mit erheblichen oder gefährlichen Mängeln durch, 0,9 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr mit 20,6 Prozent. 12,3 Prozent hatten geringe Mängel (plus 0,8 Punkte). Ohne Beanstandung kamen 66,1 Prozent durch — laut TÜV-Verband der niedrigste Wert seit neun Jahren. Es ist der vierte Anstieg der Mängelquote in Folge.
Das Alter erklärt mehr als die Marke
Wer wissen will, ob ein Auto durch die HU kommt, schaut am besten zuerst auf das Baujahr. Der Report zeigt eine fast lineare Verschlechterung über die Prüfzyklen: Bei der zweiten Hauptuntersuchung, also bei rund fünf Jahren, liegt die Durchfallquote um 10 Prozent. Bei der fünften HU — etwa elf Jahre — sind es 22,9 Prozent, bei der siebten mit rund fünfzehn Jahren 32,9 Prozent. Das trifft einen erheblichen Teil des deutschen Bestands: Das Durchschnittsalter lag 2024 bei 10,6 Jahren, und 27,4 Prozent aller Fahrzeuge sind fünfzehn Jahre und älter, rund 13,5 Millionen Stück.
Die jüngste Altersklasse: zwei bis drei Jahre
Hier ist die Aussagekraft am größten, weil kaum ein Auto in diesem Alter aus Verschleiß durchfällt — Mängel deuten eher auf Konstruktion oder Verarbeitung hin. Die folgenden Werte sind Mängelquoten für erhebliche Mängel, keine Testnoten und kein Ergebnis eines Produkttests.
- Mazda 2 — 2,9 % — bester Wert aller ausgewerteten Typen in dieser Altersklasse
- Mini Cooper SE — 3,5 % — bestes Elektroauto der Klasse
- Audi Q4 e-tron — 4,0 % — zweitbestes Elektroauto
- Fiat 500e — 4,2 % — Sieger unter den Kleinstwagen
- Tesla Model 3 — 13,1 % — drittletzter Platz
- Tesla Model Y — 17,3 % — letzter Platz und laut TÜV-Verband der höchste Wert dieser Altersklasse seit zehn Jahren
Warum Tesla schlecht abschneidet — und was die Zahl relativiert
Der TÜV-Verband nennt bei den beiden Tesla-Modellen Achsaufhängungen, Bremsscheiben und Beleuchtung als häufige Beanstandungen. Er weist im selben Atemzug auf überdurchschnittlich hohe Laufleistungen hin: 56.000 beziehungsweise 55.000 Kilometer in einer Altersklasse, in der die meisten Autos deutlich weniger gelaufen sind. Das erklärt einen Teil des Abstands, aber nicht alles — rostende Bremsscheiben etwa sind bei Elektroautos ein bekanntes Muster, weil rekuperiert statt gebremst wird und die Scheiben selten warm werden. Elektroautos generell schneiden im Report nicht schlecht ab: Mini Cooper SE, Audi Q4 e-tron und Fiat 500e stehen vorn, und der ADAC führt in seiner Auswertung auch VW ID.3 sowie ID.4/ID.5 unter den unauffälligen Elektromodellen.
Was Sie aus dem Report für einen Gebrauchtwagenkauf ziehen können
- Ein einzelner Prozentwert sagt nichts über das konkrete Auto vor Ihnen — er beschreibt eine Grundgesamtheit von Zehntausenden Fahrzeugen desselben Typs.
- Der Sprung zwischen zweiter und fünfter HU ist größer als fast jeder Unterschied zwischen Marken. Bei einem Fahrzeug jenseits der zehn Jahre ist die Wahrscheinlichkeit erheblicher Mängel bei jedem Typ zweistellig.
- Fragen Sie beim Kauf nach dem letzten HU-Bericht, nicht nur nach der Plakette: Dort steht, was beanstandet und was nur angemerkt wurde.
- Der Report ist keine Aussage über Reparaturkosten. Ein Modell mit niedriger Mängelquote kann teuer in der Instandsetzung sein — dafür sind DAT-Report und ADAC-Autokosten die passenderen Quellen.
Sources
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