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Seit April darf der Preis nur noch um 12 Uhr steigen. Er tut es dann auch — im Schnitt um 18,4 Cent beim Diesel

Das Kraftstoffpreisanpassungsgesetz hat den Tagesverlauf an der Zapfsäule umgebaut. Was das Bundeskartellamt überwacht, was der ADAC gemessen hat, und was der Zeitpunkt bei 50 Litern ausmacht.

Meridians Technik-Redaktion

Published 26. August 2026 · Updated 26. August 2026 · 7 min read

Seit April darf der Preis nur noch um 12 Uhr steigen. Er tut es dann auch — im Schnitt um 18,4 Cent beim DieselAutomotive
Photo: Foto von Engin Akyurt / Pexels (Pexels-Lizenz — kostenlos nutzbar, Nennung rechtlich nicht erforderlich (oben dennoch angegeben).)

The short answer

  • Seit dem 1. April 2026 gilt das Kraftstoffpreisanpassungsgesetz (KPAnG): Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen, und zwar um 12 Uhr. Senkungen bleiben jederzeit erlaubt.
  • Der ADAC hat im Mai 2026 über 14.000 Tankstellen ausgewertet. Zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Stand eines Durchschnittstags liegen 14,6 Cent je Liter bei Super E10 und 18,4 Cent bei Diesel.
  • Als günstigsten Zeitpunkt nennt der ADAC kurz vor 12 Uhr: 3,7 Cent unter dem Tagesdurchschnitt bei E10, 4,3 Cent bei Diesel.
  • Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt überwacht die Regel automatisiert. Ahnden können Verstöße aber nur die Landesbehörden — mit bis zu 100.000 Euro.

Bis zum Frühjahr war der deutsche Kraftstoffmarkt ein Markt mit mehreren Preisspitzen am Tag. Seit dem 1. April 2026 ist er ein Markt mit genau einer. Das Kraftstoffpreisanpassungsgesetz — Kurzform KPAnG — erlaubt Tankstellen nur noch eine Preiserhöhung pro Kalendertag, und die darf ausschließlich um 12:00 Uhr mittags stattfinden. Preissenkungen sind weiterhin jederzeit und beliebig oft möglich. Vorbild ist das österreichische Modell, das dort seit Jahren gilt.

Was genau erlaubt ist

  • Erlaubt — eine Preiserhöhung pro Kalendertag, ausschließlich um 12:00 Uhr
  • Erlaubt — Preissenkungen zu jeder Tages- und Nachtzeit, in beliebiger Zahl
  • Verboten — mehrfache Preisanhebungen am selben Tag
  • Verboten — Preiserhöhungen zu jeder anderen Uhrzeit als 12:00 Uhr

Überwacht wird das von der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) beim Bundeskartellamt, die ohnehin schon jede gemeldete Preisänderung erfasst. Die Behörde beziffert das Volumen auf durchschnittlich 315.000 Preisänderungen täglich bei rund 15.000 Tankstellen und gibt an, dass etwa 90 Prozent der registrierten Abweichungen im Fenster zwischen 11:50 und 12:10 Uhr liegen. Die MTS-K selbst verhängt allerdings keine Bußgelder: Sie leitet validierte Datenpakete an die zuständigen Landesbehörden weiter, und die können Verstöße mit bis zu 100.000 Euro ahnden.

Wie der Tag jetzt aussieht

Der ADAC hat im Mai 2026 die Preisverläufe von über 14.000 Tankstellen ausgewertet. Das Ergebnis ist eine Kurve mit einer sehr klaren Kante. Die folgenden Werte sind Durchschnittswerte eines Durchschnittstags, keine Preise einer bestimmten Tankstelle.

  • Kurz vor 12 Uhr — 3,7 Cent unter dem Tagesdurchschnitt bei Super E10, 4,3 Cent bei Diesel — vom ADAC als günstigster Zeitpunkt genannt
  • Ab 12 Uhr — plus 14,6 Cent je Liter bei Super E10, plus 18,4 Cent bei Diesel — das ist zugleich die Spanne zwischen niedrigstem und höchstem Stand eines Durchschnittstags
  • Ab etwa 17:30 Uhr — Preise fallen wieder unter den Tagesdurchschnitt
  • Gegen 22 und 24 Uhr — leichte Anstiege, weil Tankstellen schließen und ihre Preise aus der Statistik fallen
  • Ab 5 Uhr — Preise werden wieder günstiger; in der Pressemeldung beschreibt der Club das Preisminimum in den frühen Morgenstunden gegen 5 bis 6 Uhr

Was das in Euro bedeutet

Der ADAC rechnet die Spanne auf eine Tankfüllung um: Bei 50 Litern liegen zwischen dem teuersten und dem günstigsten Zeitpunkt eines Durchschnittstags rund 7,30 Euro bei Benzin und rund 9,20 Euro bei Diesel. Das ist der Betrag, um den es beim Timing geht — nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wer einmal pro Woche volltankt, redet über eine Größenordnung von mehreren hundert Euro im Jahr, allein durch die Uhrzeit.

Der Haken, den der ADAC selbst benennt

Die Regel hat den Tagesverlauf berechenbarer gemacht — aber nicht unbedingt billiger. Der ADAC führt die auffällig heftigen Mittagssprünge darauf zurück, dass die Mineralölkonzerne einen Risikoaufschlag einpreisen: Wer nur einmal am Tag erhöhen darf, muss diese eine Erhöhung großzügig ansetzen, weil bis zum nächsten Mittag keine Korrektur nach oben mehr möglich ist. Der Club hält fest, dass das Preisniveau insgesamt seit Einführung des Modells gestiegen ist. Ob das an der Regel liegt oder an den Rohölnotierungen, lässt sich aus den veröffentlichten Auswertungen nicht trennen — und wir behaupten es deshalb auch nicht.

Was daraus praktisch folgt

  • Vormittags tanken, nicht nachmittags — der Sprung liegt punktgenau um 12 Uhr, nicht irgendwo im Tagesverlauf
  • Wenn es nachmittags sein muss, dann eher spät — ab etwa 17:30 Uhr liegt der Durchschnitt wieder unter dem Tagesmittel
  • Die Preise vor Ort prüfen, nicht den Durchschnitt fahren — die MTS-K-Daten speisen die gängigen Spritpreis-Apps; die Kurve oben ersetzt keinen Blick auf die konkrete Station
  • Eine Preiserhöhung außerhalb von 12 Uhr ist kein Pech, sondern ein möglicher Verstoß — zuständig sind die Behörden des jeweiligen Bundeslandes, nicht das Bundeskartellamt

Sources

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